Indien

oder

Die Kunst, in Indien mit der Bahn zu fahren

Taj Mahal

Es passierte dieses Mal nicht wie schon so Vieles vorher im Weidmeser Traktor-Club, sondern aufgrund eines früheren Besuches in Indien im Mai 2011.

Mein Freund Claus und ich waren damals zu Besuch beim grössten indischen Hersteller von Dampfturbinen zur Stromerzeugung in Haridwar in Nordindien, um den Herren dort eine technische Innovation sondergleichen vorzuführen. Gesagt, getan. Das Gerät wurde an den Kunden verkauft und im Dezember 2011 sollte dann die Inbetriebnahme sein. Nun hat es die indische Bürokratie leider so an sich, dass sie durchaus auch einmal einen Termin verzögern kann. Mitte November 2012 kam dann doch plötzlich und eigentlich unerwartet die Aufforderung, die Inbetriebnahme nun ab dem 05.01.2013 vorzunehmen.
Zeit genug zur Vorbereitung, sollte man meinen. Doch weit gefehlt. Denn Bürokratie schläft nie. Um nun unseren indischen Freunden die Inbetriebnahme zu erledigen, brauchten wir natürlich ein Visum. Als Tourist geht man hin und bekommt das Visum, sofern man das richtige Formular ausgefüllt hat. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, solche armen Leute bei Cox & Kings zu treffen, die das falsche Formular mit hatten. Solche Looser werden erbarmungslos wieder nach Hause geschickt, auch wenn sie 500 km Anreise hatten. Änderungen vor Ort machen die einfach nicht. Aber wir brauchten ein Arbeitsvisum, welches uns erlaubt, in Indien eine Tätigkeit auszuüben. Und dafür wiederum benötigt man neben zwei Passbildern im Format 50 x 50 mm (die Peacemaker lassen grüssen) erst einmal einen ausgefüllten Arbeitsvisumsantrag und einen schriftlichen Auftrag an die Firma Cox & Kings (sofern man das Visum in München beantragt. In anderen Städten sind dafür andere Institutionen zuständig). Weiterhin benötigt man ein Entsendungsschreiben des deutschen Arbeitgebers, in dem dieser mitteilt, dass er diese oder jene Person zu einer Inbetriebnahme beim indischen Kunden entsendet. Irgendwie logisch, oder? In den Urlaub wird er seine Arbeitnehmer wohl nicht freiwillig schicken Smiley
Doch damit nicht genug. Weiterhin muss man noch eine schriftliche Einladung des Betriebes mitbringen, in dessen Räumen die gesamte Aktion am Ende stattfinden soll und natürlich muss man 165.00 Teuros in der Tasche haben, um das Visum zu bezahlen. Jetzt sollte es an Formularen wohl reichen, sollte man meinen. Weit gefehlt! Für ein Arbeitsvisum müssen nämlich auch noch die Abschlusszeugnisse der Universität, an der man studiert hat, vorgelegt werden. Click to enlarge
Indien-Visum
Business

Mein Freund Claus und ich sind natürlich sture Böcke. Wir sahen es einfach nicht ein, den Indern unsere Zeugnisse vorzulegen. Schliesslich sind wir es, die den Indern den Anschluss an den technischen Fortschritt im Turbinenbau beibringen und nicht umgekehrt.
Ich also los mit einem 1 cm dicken Formularstapel, aber ohne Zeugnisse. Und es kam, wie es kommen musste. Ich ging als Looser wieder nach Hause. Ohne Visum. 600 km Anreise für die Katz. Aber ein Zeugnis sollten die Inder deswegen trotzdem nicht bekommen. Die Inder mussten daher eine neue Einladung schicken, auf der als Zweck der Reise nur "Besprechung" stand und nicht mehr Inbetriebnahme. Wie haben ein neues Entsendungsschreiben ausgefertigt und 2 Tage vor Heiligabend ging es wieder ab nach München. Siehe da: Alle waren glücklich. Zwei Tage nach Weihnachten kam dann auch das Visum per UPS-Express (28.00 € extra).
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Münchener Flughafen
an einem Januarabend
Pünklich 2 Tage vor Abflug setzte sich dann vor lauter Flugangst auch wieder mein Freund, der Herpes auf meine Unterlippe. Damit konnte es dann endlich losgehen.

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Unser Flieger
Airbus A340-600
Der Flug war rauh und es rappelte ständig, die Gepäckfächer knirschten verdächtig. Grund genug für mich, die Finger in die Kopfstütze des Vordermannes zu krallen und die Innenhaut des Fliegers ständig nach ersten Rissen abzusuchen. Als wir den mittleren Teil der Türkei überflogen, wurde der Flug langsam ruhiger und ich konnte mich endlich auch mal um meine wirklich nette Sitznachbarin aus Breslau in Polen kümmern. Es stellte sich heraus, dass die junge Dame sich sehr gut in Indien auskannte. So verging die Zeit wie im Fluge und ich konnte auch noch einige brauchbare Informationen über Indien ergattern.

Tag 1: Delhi, die Jagd auf das Bahnticket

Mit der Landung in Delhi schwanden dann sogleich auch alle Hoffnungen auf einen entspannten Indien-Aufenthalt.
Es war abartig kalt, um 3°C, und sehr neblig. Ich war natürlich in Sommerklamotten angereist und die feuchte Kälte kroch mir sofort unter die Haut. Mit um die 5° hatte ich zwar gerechnet, aber die Rechnung war ohne den Nebel gemacht Smiley.
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Reisebus
in Indien
Ich bin ja ein Freund des gemeinen Volkes und reise entsprechend gerne auch mit den lokalen Verkehrsmitteln, wie Bus, Bahn und Tuk-Tuk. So etwas ist immer ein Erlebnis. Aber mein Freund Claus, der alte Snob, hatte natürlich einen Abholdienst des Hotels beauftragt, der uns dann fast steril ins Hotel karrte. Wahrscheinlich steckt im noch das Abenteuer vom letzten Besuch in den Knochen, als ich ihn in den lokalen Bus zerrte und ihn dann anschliessend ca. 1 km zu Fuss durch's wahre Indien trieb. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, was Claus gegen diese Busse hat Smiley. Das Busticket vom Flughafen Indira Ghandi zum Hotel kostet 75 Rupien (ca. 1.00 €) für zwei Personen und wird im Bus gelöst. Der Transfer per Hotelservice kostete 25.00 €.

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Sinnlose
Sicherheitskontrolle
Am Hotel (Metropolitan Hotel in der Nähe des Connought Place) angekommen, ging es wie üblich erst einmal wie am Flughafen auch, durch die Sicherheitskontrollen mit Metallsuchbrücke zum Durchgehen und einer Gepäckdurchleuchtung. Nun hat der Inder zwar alle technischen Möglichkeiten zur Sicherheitskontrolle, aber im Inneren ist er ganz entspannt. Die Metallsuchbrücke piepte und blinkte erbärmlich beim Durchgehen, aber das interessierte keinen Menschen. Wozu das ganze teure Equipment dort steht, ist mir schleierhaft.
Gegen Mittag gewann dann die Sonne ihren Kampf gegen die Wolken und es wurde merklich wärmer. Also machten wir uns auf, ein Tuk-Tuk zu ergattern. Die Tuk-Tuks sind zu Tausenden auf Indiens Strassen unterwegs auf der Jagd nach Fahrgästen. Touristen wie wir sind da immer ein ganz besonderer Leckerbissen. Die Fahrpreisverhandlungen waren schnell erledigt. Sie laufen im Grunde immer gleich ab. Wir wollten ca. 2 km weit fahren, also entstand folgende Konversation:
"Zum Bahnhof?" -- "OKOK, no Problem" -- "Wieviel?" -- "300" -- "Vielzuviel, 20 ist genug" -- "OKOK, 200" -- "25" -- "OKOK 150" -- "30" -- "100, weniger geht nicht" -- OK, Wir nehmen ein anderes Tuk-Tuk" -- "OKOK, 50" und schon geht die Reise los. Diese Verhandlung hat sich als Standard herauskristallisiert und ist nicht mehr, als wenn man mit einem Freund ein paar nette Worte auf der Strasse wechselt. Hier und da gestaltet sich die Verhandlung aufgrund von Sprachbarrieren etwas schwieriger, führt aber immer zum Ziel. Ach ja, und eins noch: Man sollte sich immer bestätigen lassen, das der Tucker ausreichend Wechselgeld dabei hat. Ansonsten behält der Tucker den zu grossen Schein und stellt sich tot.

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Hier gibt es
Bahnfahrkarten
Am Bahnhof (in Wirklichkeit war es nur ein Reservierungszentrum) angekommen drehten wir uns erst einmal suchend um, denn wir erwarteten doch eher ein Gebäude, welches man auch als Bahnhof erkennen würde. Und dann sahen wir das Schild" Rail Reservation Center". Also nix wie hinein. Unser Plan war, bis zum Reservierungsschalter vorzudringen und dann einfach zwei Bahntickets für unseren bevorstehenden Trip in den Norden Indiens, nach Haridwar, zu kaufen. Am nächsten Tag wollten wir los.
So 25 Meter sind wir aufs Gelände gelangt, da setzte auch schon wieder mein Fotografiertrieb ein. Nach ein paar Bildern kam der Anschiss: "Keine Fotos in öffentlichen Anlagen". Und gleich darauf kam die unvermeidliche Frage: "Wollt Ihr ein Bahnticket kaufen?" -- "Nein, natürlich nicht, wir sind zum Angeln hier!". Wir erklärten demjenigen, der uns das Fotografieren verbat, unser Fahrtziel und den Reisetag. Nachdem unser Gegenüber dann noch einmal den kompletten Fahrplan , den wir eh kannten, heruntergebetet hatte, kam dann die niederschmetternde Auskunft: "Der Zug ist voll, Ihr müsst mit dem Auto fahren. Ich weiss das, denn ich bin von der Regierung anerkannter Berater."
Wie durch Zufall kannte unser selbsternannter Helfer in der Not aber ein befreundetes Reisebüro, welches das Geschäft mit Mietautos betreibt. Ein kurzer Anruf seinerseits vorweg (vermutlich, um die Provision auszuhandeln) und schon hatten wir eine Adresse auf einem Zeitungsrand stehen. Noch bevor wir überhaupt einen Bahnticket-Schalter gesehen hatten, dackelten wir also wieder los zu unserem Tuk-Tuk.

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Tuk-Tuk
Die Tuk-Tuk Fahrer sind treue Seelen. Sie warten immer auf einen in der Hoffnung auf die Rückfahrt. Wir hatten unseren Tukker allerdings gebeten, zu warten. Also wieder durchs Verkehrsgewimmel hin zum Reisebüro. Der Fahrer hielt dann irgendwo an und animerte uns zum Aussteigen. Click to enlarge
Reisebüro hinter
bescheidener Fassade
Nach einem ersten ratlosen Rundumblick besannen wir uns jedoch auf die beim Ticket-Center gemachte Erfahrung, dass sich hinter einer unscheinbaren Fassade doch das Gesuchte verbergen kann. Und so entdeckten wir dann auch das Reisebüro. Nachdem wir uns an einigen finster aussehenden Typen vorbeigedrängelt hatten, kamen wir dann auch schnell zum Kern der Sache.
Die Verhandlung lief wieder ähnlich ab: "Wohin?" -- "Haridwar, morgen früh" -- "OKOK, 12500" -- "Viel zu viel, beim letzten Mal sind wir für 9200 hin und zurück gefahren und der Fahrer hat uns soger während der drei Tage in Haridwar chauffiert"(Dies entsprach im Übrigen sogar der Wahrheit) -- "OKOK, 9000" -- "OK, 9000, morgen früh um 9:00 im Hotel abholen". 2000 Rupien liessen wir als Anzahlung da und die Angelegenheit war erledigt.
Erst viel später sollten wir erfahen, dass wir immer noch knapp den dreifachen Preis bezahlten.

Nachdem nun alles für die Reise in den Norden arrangiert war, hatten wir noch etwas Zeit. Es war mittlerweile klar und relativ warm geworden(ca. 15 - 18°C). Also beschlossen wir, noch ein wenig zum Connought Place zu gehen.
Der Connought Place ist im Grunde ein riesiger Kreisverkehr mit drei Ringstrassen. Er ist das Zentrum und Dreh - und Angelpunkt in Neu Delhi. Geplant wurde er im Auftrag der Indischen Regierung vom englischen Architekten Robert Tor Russell. Wer Geld, Rang und Namen hat, trifft sich am Connought Place. Es wird zwar immer von pächtigen Kolonialbauten am Connought Place gesprochen, aber nach meiner bescheidenen Meinung ist hier alles irgendwie dem Verfall zum Frass vorgeworfen worden. Doch seht selbst auf den Bildern.

Der Connought Place

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Coffee House
Wer etwas auf sich hält, war wenigstens einmal im "United Coffee House" zum Essen. So wie man in Rio de Janeiro zu Mario's an der Copa Cabana, in Istanbul in den Pudding Shop oder in Teheran ins Amir Kabir geht, so geht man halt in New Delhi in das "United Coffee House". Das Coffee House ist ein gutes, sauberes Restaurant mit (für Westeuropäer) zivilen Preisen. Ein ausgiebiges Mahl mit 2 Cobra-Bier kostete 2011 so um die 12,50 €. Einen auf original indische Küche trainierten Magen sollte man allerdings mitbringen, sonst kann die Sache im wahrsten Sinne des Wortes schnell mal in die Hose gehen Smiley!



Wir schlenderten also entspannt dahin, wunderten uns über Dieses und Jenes und freuten uns des Lebens. Ein junger Mann kam vorbei und fragte, woher wir denn wohl kämen. Eine eigentlich harmlose Frage, die vielleicht zu einem netten Gespräch mit einem fremden Menschen in einem fremden Land führen könnte. Doch warten wir ab, was sich entwickelt! Wir antworten mit dem schon hundert Mal aufgesagten "Germany" und siehe da, er hat Freunde in Germany. Ein zweiter, älterer Mann gesellt sich zu uns und mischt sich in das Gespräch ein. Wir fragen ein paar Sachen nach und es entwickelt sich tatsächlich ein Gespräch über Gott und die Welt, während wir weitergehen. Click to enlarge
Restaurant
am Wegesrand
Ich frage, auf welcher der drei Ringstrassen wir uns im Moment befinden. Der Ältere ist erstaunt, dass wir keine Strassenkarte von Neu Delhi haben. Er würde uns eine besorgen, gleich hier links um die Ecke sei ein Reisebüro, welches extra kostenlose Strassenkarten für Freaks wie uns bereithalten würde. Aha, soso. Was für ein netter, selbstloser Mensch!! Ach, und dann fiel ihm ein, er könne uns doch auf ein leckeres Tässchen Tee einladen. Er habe einen kleinen Laden nicht weit von hier. Neiiiiin, er wolle uns auf keinen Fall irgendetwas verkaufen. Wir sollten nur mal schauen, was er so treibt. Der junge Mann, der uns zuerst ansprach, war übrigens immer noch mit von der Partie, aber er war bereits vom Älteren ausgebootet. Die Burschen jagen sich nämlich untereinander erbarmungslos die Opfer ab.
Seltsamerweise erreichten wir sein süsses, kleines Geschäftchen dann noch vor dem generösen Reisebüro. Also sind wir alle vier hoch in seinen Laden, ohne zu wissen, womit er eigentlich handelt. Aber das war ja auch egal, denn er wollte uns ja nichts verkaufen Smiley. Wir nahmen bis auf den jungen Mann, der uns zuerst ansprach, alle Platz. Ein Tee wurde geordert und plötzlich erschien die eigentliche Lichtgestalt dieser Veranstaltung im Raum. Er stellte sich vor als der wirkliche Inhaber dieses Ladens. Der Ältere und er seien Cousins und sie kämen aus der Gegend um Kaschmir. Ob wir denn Kaschmir kennen würden? Click to enlarge
Beim Teppichhändler
Ob wir Kaschmir nun kannten oder nicht, war völlig egal.
Im Nu waren zwei, drei, vier wunderschöne Seidenteppiche vor uns ausgebreitet, ins Licht gehalten und umgedreht, damit wir sehen konnten, wie sich die Farben im Licht ändern. Noch ein Teppich und noch einer. Wir sollten uns den schönsten davon aussuchen und er würde uns mal unverbindlich einen Preis nennen. Ich erlaubte mir die Frage, wieviele Kinder denn wohl an diesen schönen Teppichen ihre Kindheit gelassen hätten. Da hat die Lichtgestalt doch eine leichte Krise erlitten. Kinderarbeit?? In Kaschmir? In seinem Betrieb? Völlig undenkbar! Oh, da war ich aber beruhigt Smiley! Die Frage, ob wir lieber mehr Detailreichtum durch eine Knüpftechnik mit einfachen Knoten oder eher ein weicheres Trittgefühl durch Doppelknoten bevorzugen würden, wurde ausgiebig geklärt. Zwischendurch fiel dann auch schon mal ein Preis von 1600 € für solch ein gutes Stück.
Jetzt kam die Zeremonie mit den Echtheitsbeweisen. Extra für uns würde die Lichtgestalt nun einen Knoten aus diesem Teppich öffnen, den Faden herausziehen und dann mit dem Feuerzeug ankokeln. (Bei echter Seide brennt der Faden nicht weiter, wenn die Flamme entfernt wird, ein Wollfaden brennt jedoch auch ohne Zündquelle weiter. Die Asche des Seidenfadens fühlt sich sandig an, wenn man sie zwischen Daumen und Zeigefinger verreibt, die Asche eines Wollfadens spürt man jedoch garnicht.) Diese Zeremonie wird von allen Teppichhändlern der Welt durchgeführt, sie gehört sozusagen zum Standardrepertoire eines jeden Teppichhändlers.
Es kam, wie es kommen musste, der Teppich bestand scheinbar tatsächlich aus echter Seide. Wohin er denn nun liefern solle, EU-Zölle und Einfuhrumsatzsteuer könnten wir ruhig vergessen, er kenne einen Weg, uns die edle Ware unbemerkt zukommen zu lassen. Wir könnten auch unsere Namen hinten auf den Teppich schreiben, als Beweis dafür, dass wir wirklich den Teppich bekämen, den wir ausgesucht hatten. Ich liess mir noch einen Tee bringen, denn der war das einig Greifbare hier und er war wirklich lecker. Ach, Übrigens: Das Internet ist voll mit Berichten von Leuten, die sich diese Superteppiche mit dem Namen hinten drauf haben schicken lassen. Es mag alles mit den Teppichen in Ordnung gewesen sein, nur die Namen auf den Rückseiten der Teppiche waren nie die der Käufer Smiley!
Meinen Freund Claus juckte es schon wieder an der Kreditkarte, aber so ein Geschäft will bedacht und mit der Dame des Herzens besprochen sein. Nein, das sei völlig falsch, man müsse seine Liebste auch mal überraschen. OKOKOK. Mittlerweile war ich von dem Gesülze bedient und wollte wieder los. Aber nicht, ohne den Älteren, den DochNichtLadenbesitzer, noch einmal ein wenig hochzunehmen. Zuerst bemerkte ich einmal, dass mir der Preis doch recht hoch vorkäme und der Preis lag dann augenblicklich schon mal bei 1500 €. Ich kam mir vor, wie bei den Tuk-Tuk Fahrern. Und dann sagte ich zu dem Älteren, dass wir jetzt doch tatsächlich die Strassenkarte vergessen hätten. Ob er vielleicht eben losflitzen könne, um sie zu holen. Er sagte ja vorhin, es sei gleich in der Nähe Smiley! Na, das hat dann doch ein Weilchen gedauert! Als er dann endlich wieder da war, kannte er doch tatsächlich zufällig jemanden, der uns einen Superpreis für ein Taxi nach Haridwar machen könne. Da war ich nun wirklich überrascht. Was der für Leute kennt! Unglaublich! Mit einem zuversichtlichen "Jaja, wir kommen morgen wieder und kaufen zwei von den Dingern, aber nur wenn wir auch das günstige Auto kriegen" verschwanden wir dann wieder im gefrässigen Bauch der Menschenmenge.
Ich glaube, so langsam dürften die beiden Cousins aufgehört haben, sich die Hände zu reiben Smiley.

Und jetzt kommt die Moral von der Geschichte!
In Indien scheint irgendwie jeder mit jedem in einem unsichtbaren Netzwerk von Korruption verwoben zu sein. Alle scheinen sich an die Geschäfte anderer anhängen zu wollen, indem sie irgendeine Form von Provision erhalten. Es gibt niemanden, der einen aus purer Freundlichkeit anspricht und es dabei bewenden lässt. Man landet zwangsläufig in einem Basar oder sonstwo. Und dies wird zum Teil mit wirklich dreisten Lügen erreicht. Ein paar feiste Beispiele dazu folgen noch im weiteren Text. Das man um jeden Preis feilschen muss, ist quasi Ehrensache. Das aber gelogen wird, bis sich die Balken biegen, ist weniger schön. Die beste Art, zum gewünschten Ziel zu kommen, ist die, nicht auf all die selbst ernannten "von der Regierung bestätigten" Helfer zu hören, sondern es einfach mal selbst zu probieren. Ich kann das an dieser Stelle ruhig behaupten, denn der Bericht ist am Ende der Reise aus der Summe aller traurigen Erfahrungen geschrieben worden.

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Abreise von
Delhi nach Haridwar
Der Rest des Tages verlief normal. Das Abendessen liessen wir aus, um am nächsten Tag ohne Magen- und Darmprobleme die lange Fahrt nach Haridwar antreten zu können. Bei unserem ersten Besuch in Indien hatten wir uns selbstverständlich im "United Coffee House", die Bäuche mit indischen Leckereien vollgeschlagen. Als Ergebnis sassen wir bei 36° C im Schatten 9 1/2 Stunden mit Durchfall im Auto. Das war wahrlich kein Vergnügen. Dieses Mal waren da schon ein Stückchen schlauer Smiley.


Tag 2: Die Reise von New Delhi nach Haridwar

Pünktlich morgens um 8:00 stand das Taxi vor dem Eingang des Metropolitan Hotels, das gesamte Gepäck passte tatsächlich in die kleine Gurke hinein. Und los ging's bei bestem, aber sehr kühlem Wetter. Die Temperatur lag bei ca. 5° C. Wir erfreuten uns bester Gesundheit, das Hotel in Haridwar war gebucht, es konnte also eigentlich nichts schiefgehen.
Die Entfernung von Delhi nach Haridwar beträgt knapp 200 km. Auf langen Strecken können mit dem PKW Durchschnittsgeschwindigkeiten von knapp 50 km/h erreicht werde. Uns stand also eine 5-stündige Autoreise bevor.
Der Verkehr in Indien ist schon bemerkenswert. Grundsätzlich herrscht in Indien Linksverkehr und meistens wird auch links gefahren. Aber eben nur meistens! Der Inder hat die merkwürdige Angewohnheit, dort zu fahren, wo gerade Platz ist. Click to enlarge
Verkehr in Indien
Selbst in einem Stau wird auch noch die kleinste Lücke zugefahren. Danach geht dann eben gar nichts mehr, aber das stört den Inder nicht im Geringsten. Er sitzt ruhig im Auto, es fällt kein böses Wort über die Mitstreiter auf der Strasse, nichts. Der Inder ist tiefentspannt. Irgendwie löst sich jeder Stau auch auf wundersame Weise wieder auf und dann geht der Kampf um die leeren Stellen wieder von vorne los. Überholen bei Gegenverkehr würde in Deutschland sofort zu tödlichen Unfällen führen. In Indien ist es normal. dass man sich auf der gleichen Spur bis auf wenige Meter entgegen kommt. Mir standen anfangs wirklich die Haare zu Berge, aber mittlerweile bin auch ich merklich entspannter. Kurz vor der Kollision fährt dann der eine einfach wieder nach links in seine Spur, die anderen Verkehrsteilnehmer machen auch bereitwillig Platz. Click to enlarge
Hier hat's gekracht
Ist dort kein Platz, fährt der Entgegenkommende einfach auf den unbefestigten Fahrbahnrand. Und das alles, ohne ein böses Wort über den Kontrahenten zu verlieren. Hupen ist hier kein Ausdruck von Aggression, sondern ist einfach eine andere Art von Kommunikation zwischen den Verkehrsteilnehmern. Auf den Ladeklappen der LKW steht sogar in grossen Lettern: "Bitte Hupe mich an". Mein Freund Claus hatte die Aufschrift: "Please blow Horn" anfangs etwas falsch verstanden, doch ich konnte ihn aufklären! Hunde, Schweine und Kühe auf der Fahrbahn sind beileibe keine Katastrophe, sondern gehören einfach dazu. Jeder hier in Indien achtet die Tiere. Sie haben alle einen besonderen Status. Wenn eine Kuh also meint, sie müsse sich in der Mitte einer 4-spurigen Fahrbahn erst einmal ein wenig hinlegen, dann ist das eben so. Man fährt in aller Ruhe links und rechts daran vorbei. Gelegentlich kracht es natürlich auch mal ordentlich.
Von soviel Toleranz gegenüber Mitmenschen und Tieren können wir in Deutschland noch eine ganze Menge lernen!!!!
Die Strassen sind im Durchschnitt für einen West-Europäer katastrophal. Schlechter Asphalt wechselt sich mit Sand-Teilstücken ab. Schlaglöcher mit einem Meter Durchmesser und 40 cm Tiefe tauchen unvermittelt und nicht selten auf. Vor Ortschaften und anderen kritischen Stellen (Bahnübergängen etc.) sind sogenannte Bumper auf dem Asphalt angebracht, so wie unsereins sie auch von verkehrsberuhigten Zonen in Deutschland kennt. Die Taxis und besonders die Tuk-Tuks nageln darüber, dass es einem jedesmal einen ordentlichen Schlag in die Wirbelsäule versetzt, wenn man vorher keine besondere Schonhaltung eingenommen hat. Vorausschauendes Beifahren ist also schwer angesagt! Ich spüre meine Wirbelsäule jedenfalls deutlich.
An den Landesgrenzen der einzelnen Bundesstaaten sind Strassenzölle fällig. Um von Delhi nach Haridwar zu kommen, müssen zwei Landesgrenzen passiert werden. Einmal die Landesgrenze des Hauptstadtterritorium Delhi zu Uttarakhand und dann noch einmal die Grenze Uttarakhand zu Uttar Pradesh. Die Schalter, an denen die Zölle zu entrichten sind, befinden sich hinter sehr schlichten Fassaden und sind für Touristen wie uns absolut nicht zu erkennen. Desweiteren gibt es relativ gut ausgebaute Strassen, die dann noch zusätzlich mit Strassengebühren belegt sind. Hier fährt man durch riesige Schalteranlagen, die den Mautstellen in Frankreich oder Italien sehr ähnlich sind. Man kommt auf diesen Schnellstrassen nicht unbedingt überall schneller voran, denn auch diese Strassen sind mit Eselfuhrwerken, Rikshas, Tuk-Tuks und allem anderen, was sich bewegen kann, bevölkert. Man vermeidet jedoch die eine oder andere zeitraubende Ortsdurchfahrt. Kühe haben auch hier Sonderrechte.

In Haridwar

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Das Sun Hotel
in Haridwar

Am Ende sind es dann doch ungefähr 8 Stunden Fahrzeit geworden. Wir kamen gegen 19:00 im Sun Hotel in Haridwar an. Es war hier oben im Norden noch kälter als bei der Abreise in Delhi. Zusätzlich zur Kälte lag auch noch ein leichter Nebel in der Luft, es war schlicht ungemütlich. Aber es bestand ja jetzt die Aussicht auf eine heisse Dusche.
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Zimmer im Sun Hotel
Nach dem Registrieren am Hotelschalter gingen wir flötend zum Zimmer, als uns der Concierge noch zurief, wann wir denn heisses Wasser haben wollten. Wir hatten nun die Wahl, entweder heute abend oder morgen früh für eine Stunde warmes Wasser zu haben. Mir standen die Haare zu Berge, denn ich ahnte Schlimmes. Und es kam, wie es kommen musste. Es gab natürlich auch keine Heizung. Das Zimmer hatte die wohlige Temperatur von 5°C. Die Leute in Indien sind auf Kälte einfach nicht eingestellt. Also besorgten wir erst einmal einen Heizstrahler, der zwar auch keinen Hering vom Teller zog, aber immerhin so um die 15° C ins Zimmer zauberte.
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Das Bad
Am nächsten Morgen war die Situation unverändert. Es war saukalt und die Dusche brachte natürlich kein heisses Wasser hervor, sondern auch nur eine lauwarme Brühe, die aus 2 - 3 Duschstrahlen verteilt aus der Dusche kam. Ich musste also hin- und her springen, um meinen edlen Körper überhaupt mit Wasser benetzen zu können. Ich fror so erbärmlich wie ein Schneider.
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Vor dem Sun Hotel
Nach dem Frühstück im Hotel ging es dann für 600 Rupien zum Kunden, um die eigentliche Mission zu erfüllen. Witzigerweise machen die Leute nicht einmal im Auto die Heizung an, wahrscheinlich wissen sie gar nicht, dass die Dinger eine Heizung haben Smiley.




Unser Kunde ist der grösste Hersteller von Dampfturbinen in Indien und gehört bestimmt auch zu den grössten der Welt. Die Werkhallen sind jede für sich sicher doppelt so gross wie der Kölner Hauptbahnhof, Dreh- und Fräsmaschinen mit 20 Metern Arbeitslänge sind hier normal. Als wir um 8:00 früh dort ankamen, standen die Hallentore weit offen und es herrschten auch hier angenehme 5°C. Eine Bearbeitungsmaschine soll eigentlich bei 20°C betrieben werden, aber hier gelten scheinbar andere Gesetze.
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Das Werkstück
Der Turbinenläufer, an dem wir unsere Arbeit zu verrichten hatten, wog ca. 90 Tonnen. Ich persönlich liebe ja grosse Werkstücke, daher war diese Welle natürlich ein ganz besonderer Leckerbissen für mich.
Für den heutigen Tag war reine Schulung der Mitarbeiter angesagt und aufgrund der allgemeinen Aufregung verging der Tag wie im Fluge. Um 17:00 taperten wir also mit Eiszapfen an der Nase wieder Richtung Tor und fuhren für 600 Rupien wieder ins Hotel. Von Aufwärmen konnte natürlich nicht die Rede sein. Also verspeisten wir im Chilly Restaurant des Hotels flugs ein Curry und dann ab unter die Bettdecke.
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Lagerfeuer in
der Werkhalle
Die nächsten Tage verliefen ähnlich, es wurde scheinbar immer noch kälter. Die Werkhallen waren morgens mittlerweile von Nebelschwaden durchwabert. Die Mitarbeiter in den Werkhallen fingen an, Lagerfeuer anzuzünden. Das muss man sich einmal vorstellen! Lagerfeuer an CNC-Maschinen!!! Allein dieses Erlebnis war das Frieren schon fast wert, so etwas habe ich bis dato noch nie erlebt!
Hinter der Fräsmaschine, an der wir arbeiteten, gab es eine Blechbude, in der ein Heizstrahler hing. Dorthin gingen wir, sobald sich eine kleine Pause ergab, um wenigstens nicht vollständig einzufrieren. Ständig gingen Inder rein und raus, aber keiner war in der Lage, die Tür zuzumachen. Dass die kostbare Wärme durch die offenen Türen verloren gehen könnte, kam den Indern absolut nicht in den Sinn, war ihnen aber auch nicht zu vermitteln.
So verging Tag um Tag, nachmittags quälte sich mittlerweile die Sonne durch den Nebel und der Taxipreis stand inzwischen bei 350 Rupien pro Fahrt Smiley.
Am Donnerstag war dann zunächst einmal Schluss mit Inbetriebnahme und wir machten uns auf die bereits vorbereitete Reise zurück in den Süden nach Agra. Allerdings mussten wir später noch einmal zurück nach Haridwar, um den Rest der Arbeiten durchzuführen.

Agra

Agra, Lage der Sehenswürdigkeiten

Agra liegt etwa 150 km südöstlich von Delhi und ungefähr 400 km von Haridwar entfernt in Bundesstaat Uttar Pradesh. Der heilige Fluss Yamuna bildet in etwa die nördliche Grenze. Über diesen Fluss muss ich nun doch erst einmal ein paar Worte verlieren.
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Verlauf der Yamuna
und des Ganges *
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Mesopotanien hat
nix mit Indien zu tun *
Die Yamuna entspringt im Himalaya noch im Bundesstaat Uttarakhand und ist der wichtigste Nebenfluss des Ganges. Sie führt fast doppelt soviel Wasser wie der Ganges und fliesst auf ihrer gesamten Länge südwestlich parallel zum oberen Ganges. Bei Allahabad mündet die Yamuna dann in den Ganges. Das Land zwischen Yamuna und Ganges gehört zu den landwirtschaftlich intensiv genutzen Gebieten. Es wird wegen seiner Lage zwischen diesen beiden Flüssen auch das "Zweistromland" genannt. Bitte dieses Zweistromland nicht verwechseln mit Mesopotanien, dem Land zwischen Euphrat und Trigris, welchen ebenfalls den Beinahmen "Zweistromland" führt. Während die Yamuna friedlich durch die Gegend mäandert, wird sie allseits von riesigen Bewässerungskanälen angezapft. Dies kann in Trockenperioden sogar soweit gehen, dass der einst stolze Fluss trocken fällt. Auf dem rechten Bild erkennt man gut das gesamte Flussbett und das verbleibende "Rinnsal" aus Abwässern. Das Foto wurde im Januar, also im Winter aufgenommen. Daher führt der Fluss zu dieser Zeit noch verhältnismässig viel Wasser.
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Die Yamuna in Agra
Damit die Wasserführung nicht beeinflusst wird, führen zum Ausgleich ebensogrosse Abwasserkanäle den Dreck der Zivilisation in den Fluss. Und zwar in unvorstellbaren Mengen!
In Delhi ist die Yamuna bereits so verschmutzt, dass sie nur noch "der tote Fluss" genannt wird. Tatsächlich lebt in diesem Fluss nichts mehr. Ich habe, besonders später in Haridwar, intensiv mit den Leuten hier über die Umweltproblematik geredet. Den Leuten hier fehlt das grundsätzliche Verständnis sowohl für Umweltschutz als auch für die wachsenden Probleme durch die Überbevölkerung.
Das traurige Schicksal der Yamuna gilt eigentlich für alle Flüsse Indiens, ob heilig oder nicht. Das hat mich doch ein wenig betroffen gemacht.

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Das Sun Hotel in Agra
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Fensterblick
Die Fahrt im Taxi nach Agra war nichts Besonderes mehr, nach harten Verhandlungen sind wir für 7000 Rupien dort hingekommen. Wir wohnten im Schwesterhotel des Sun Hotels Haridwar für angenehme 2500 Rupien pro Nacht und Nase. Die Temperatur war hier in Agra sehr angenehm, so um die 25°C.
In Agra selbst leben ca. 1 600 000 Menschen und damit gehört Agra zu den 20 grössten Städten Indiens. Gäbe es dort nicht die wirkich einzigartigen Sehenswürdigkeiten, wäre es ein Moloch wie alle anderen Städte, die ich hier gesehen habe. Schmutzig, voller Müll, laut und überbevölkert.

Aber es gibt sie eben, diese echten Highlights in Agra! Als da wären:

Das rote Fort

Das Rote Fort in Agra

Vor langer Zeit, genau vom 15. Oktober 1542 bis zum 27. Oktober 1605, lebte in Indien ein Mogul namens Akbar, der sich im Laufe seiner Karriere durch seine geschickte Art zu regieren zu einem der bedeutensten Herrscher des Landes entwickelte. Er selbst war Muslim und war geschickterweise mit einer Hindu verheiratet, um ein besseres Standing bei den Hindus zu haben.
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Akbars Baustil
in rotem Sandstein
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Jahans Baustil
in weissem Mamor
Eben dieser Akbar erteilte 1565 den Auftrag, das Rote Fort zu bauen. 1571 war die komplette Ummauerung des Forts fertiggestellt. Mit 2.4 Kilometern Länge und bis zu 21 Metern Höhe war dies schon eine beträchtliche Bauleistung! Danach wurde der Bau des Forts aufgegeben, weil Akbar sich aufgrund glücklicher Umstände dazu entschied, im 45 km entfernten Fatehpur Sikri (hierzu folgt noch eine Kurzgeschichte Smiley) eine neue Hauptstadt zu bauen. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erweiterte vor allem Grossmogul Shah Jahan das Rote Fort durch Palastbauten etc.
Die Baustile der beiden Herrscher lassen sich leicht auseinander halten, denn Akbar hatte eine Vorliebe für roten Sandstein (daher der Name). Shah Jahan hingegen bevorzugte weissen Mamor mit Verzierungen aus Glas und Halbedelsteinen.

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Mina Mashid
Die kleine Moschee
Die Mina Mashid wurde in den Jahren 1631 bis 1640 erbaut und diente ausschliesslich dem Mogul Shah Jahan für persönliche Zwecke. Ein sehr schlichter Bau (sieht man einmal vom weissen Marmor ab), auf allen Seiten umgeben von hohen Mauern. 1658 ergriff Aurangzeb, Shah Jahan's Sohn, Click to enlarge
So könnte der letzte
Blick von Shah Jahan
gewesen sein
die Macht im Lande und stellte seinen Vater für den Rest seines Lebens im Roten Fort unter Hausarrest, um seine Position zu festigen. Man sagt, Shah Jahan sei im Jahre 1666 in den Armen seiner Tochter Jahanara mit letztem Blick auf das Grabmal seiner Lieblingsfrau Mumtaz Mahal im Roten Fort gestorben.

Im Jahre 1806 besetzten die Engländer das Fort, beim indischen Aufstand von 1857 spielte das Rote Fort noch einmal eine letzte Rolle im Krieg, da dies einer der Orte bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen Briten und Indern war.

Der Eintritt zum Roten Fort kostete im Januar 2013 für Ausländer ca. 700 Rs und wird direkt am Eingang am Kassenschalter bezahlt. Einheimische zahlen nur ein Zehntel des Eintrittspreises. Im Eingangsbereich lungern natürlich wieder viele von der Regierung bestätigte Führer herum, die einem tatsächlich weismachen wollen, dass die Inanspruchnahme eines offiziellen Führers Vorschrift sei. Das ist natürlich wieder eine feiste Lüge! Man kommt sehr gut alleine im Fort zurecht.
Interessant zu wissen ist vielleicht die Tatsache, dass man am Eingang durch eine Sicherheitskontrolle mit Metalldetektor muss. Kameras etc. sind offenzulegen. Unbekanntes Gerät wird konfisziert. Ich hatte ein Navigationsgerät in der Tasche. Nur mit aller Gewalt und lautstarker Diskussion gelang es mir, dieses Gerät mitnehmen zu dürfen. Feuerzeuge, Streichhölzer etc. werden einem rigoros abgenommen. Es ist daher ratsam, sich vor dem Besuch des Roten Fort entsprechend vorzubereiten.



Und weiter geht's zum nächsten Highlight, vorbei am Affenhaus und über den Fluss Yamuna. Unser Ziel ist eigentlich keine historische Sehenwürdigkeit Agras, sondern eher eine persönliche Angelegenheit mit einer ganz besonderen Aussicht: Es ist:

Der Geocache GC43RCJ - The Black Taj   Zur Cachebeschreibung

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Rhesusaffen
Im Affenhaus
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Resusaffe
Das sogenannte Affenhaus ist nichts anderes als eine normale Bauruine, in der sich Rhesusaffen tummeln. Rhesusaffen waren schon 1959 und 1960 im Rahmen des Mercury-Programs der NASA im Weltraum! Rhesusaffen haben auch eine gewisse Bedeutung für die Medizin, denn 1940 haben Karl Landsteiner und Alexander Wiener die Rhesusfaktoren im Blut von Rhesusaffen entdeckt. Der Rhesusfaktor ist ist ein bestimmtes Antigen-System der roten Blutkörperchen. Besitzt jemand dieses Antigen-System, so ist sein Blut Rhesus-Positiv, besitzt er es nicht, ist er RH-Negativ. Eine ziemlich holperige Erklärung des RH-Faktors, ich weiss. Aber das hier ist ja auch kein Erstsemester in Medizin Smiley. Irgendwie musste ich den Raum zwischen den beiden Bildern ja füllen!

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Brücke über die Yamuna
Aufgrund der miesen Premium-Cache Politik des Veranstalters Groundspeak bin ich ja vom Geocachen grundsätzlich so ziemlich geheilt . Wenn mir aber eine solche Perle wie dieser Cache hier am Taj Mahal unterkommt, mache ich mich doch noch einmal auf die Suche. Zumal er auch noch jungfräulich war.
Ob mein Freund Claus nun wollte oder nicht, er musste mit. Der Arme musste schon in Wuxi/China mit auf einen elend hohen Berg kraxeln und hier nun schon wieder! Am Ausgang des Roten Forts hielten wir ein Tuk-Tuk an und kamen in den Verhandlungen bei 100 Rupien Fahrpreis nicht mehr so recht weiter. Plötzlich kam ein zweites Tuk-Tuk an, wir riefen ihm 50 Rupien zu und schon stand der Preis fest. Unser vorheriger Verhandlungspartner sah sich plötzlich sogar in der Lage, die Fahrt für 30 Rupien zu erledigen. Aus Bock haben wir das Angebot natürlich nicht angenommen. Während wir unser Kleingeld zusammenzählten, kriegten sich die beiden Tuk-Tuk Fahrer doch ernsthaft in die Wolle. Sie zeterten und traten ordentlich auf einander ein. Meine Vorstellung vom immer friedlichen Inder, resp. Hindu bekam erste Risse.
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Der Park Mehtab Bagh
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Rückwärtige Ansicht des
Taj Mahal über den Fluss
Yamuna hinweg
Jedenfalls erwies sich unser Tucker als echter Glücksgriff, so dass wir ihn für die nächsten zwei Tage beschäftigten. Der Cache lag sozusagen auf der Rückseite des Taj Mahal. Man musste also die Yamuna überqueren und in einen Park namens "Mehtab Bagh" hinein. Der Park heisst übersetzt in etwa "Mondgarten" und kostet 100 Rupien Eintritt. Es widerspricht eigentlich den Grundsätzen Groundspeaks, Caches in gebührenpflichtigen Orten abzulegen. Aber in diesem speziellen Fall war mir das egal, denn ich wollte an diesem besonderen Ort den süssen Nektar eines "FTF" (engl. First to find) oder auch "Als Erster gefunden" schmecken. Gleichzeitig belohnte uns dieser Cache eben mit der grandiosen und recht exklusiven Aussicht auf die Rückseite des Taj Mahal. Click to enlarge
Das Cache-Versteck
am Fuss des Baumes

Der Cache war nicht sonderlich schwer zu finden. Zur Herausforderung wurde er nur durch die Schwierigkeit, ihn von anderen, unbeteiligten Beobachtern (sog. Muggels) unbemerkt zu bergen. Beim Aussteigen aus dem Tuk-Tuk hatte ich mir schon einen Verfolger eingefangen, weil ich unvorsichtigerweise Interesse an den von ihm angebotenen T-Shirts mit Taj Mahal Aufdruck zeigte. 300 Rs war der Preis zu dem Zeitpunkt für ein solches T-Shirt. Ich wollte eh eines davon kaufen, um es als Gag am übernächsten Tag, wenn wir wieder beim Kunden sind, anzuziehen. Jedenfalls wurden wir diesen Burschen nicht wieder los. Auf halbem Weg zum Cache fiel mir dann ein, dass ich gar keinen Schreiber dabei hatte, um das noch unschuldige Logbuch des Cache mit meinem Logeintrag zu entjungfern. Ich ging also noch einmal zu meinem T-Shirtverkäufer, um ihm für 30 Rs einen Schreiber abzukaufen. Von nun an war ich für ihn wie der Honig für die Bienen. Nicht mehr loszuwerden, der Kerl.
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Ruinen am anderen
Ufer der Yamuna
Wir schlichen also möglichst unauffällig um den besagten Baum herum, vermieden verräterische Blicke und versuchten unseren Schatten loszuwerden. Aber da gab es nur eine Möglichkeit. Ich versprach ihm, zwei von seinen vermaledeiten T-Shirts für zusammen 120 Rs abzukaufen, wenn er uns eine Weile in Ruhe liesse. Gesagt, getan, der Bursche zottelte los. Leider waren unsere Verhandlungen nicht unbemerkt geblieben. Zwei Kinder, vielleicht 4 und 6 Jahre alt, klebten jetzt an uns wie die Kletten. Ebenfalls nicht abzuschütteln. Sie bettelten gar meisterhaft. Am Ende blieb mir gar nix anderes übrig, als mich auch von diesen beiden Plagegeistern durch eine minimale Spende freizukaufen. Der Rest war dann Formsache und in 5 Minuten erledigt.

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Ruinen vor dem
Taj Mahal
Lange Zeit ging das Gerücht um, Shah Jahan hätte am gegenüberliegenden Ufer der Yamuna, also, genau da, wo unser Cache liegt, ein weiteres Mausoleum für sich selbst anlegen wollen. Dieses sollte dem Vernehmen nach das schwarze Taj werden. In der Tat existieren am angenommenen Ort einige Ruinen. Es gibt jedoch keinen archäologischen Beweis dafür, dass es sich hier um die Grundmauern eines Schwarzen Taj handeln würde. Leider existierten auch keine Hinweisschilder, die Auskunft über die vorgefundenen Ruinen hätten geben können. So müssen diese Ruinen halt unter: "Schön, dass wir sie mal gesehen haben" abgebucht werden. Die momentan vorherrschende Meinung über die Ruinen ist die, dass es sich beim Park "Mehtab Bagh" wohl um einen Lustgarten handelte, in dem wohl auch ein paar "Gartenhäuschen" standen.

Nachdem nun der Supercache in Sack und Tüten war, ging die Reise weiter und wir begaben uns wieder von der Neuzeit zurück auf den Pfad der indischen Geschichte. Und dieser Pfad führte uns nun einen knappen Kilometer weiter nach:

Itmad-Ud-Daulah

Agra, Mausoleum Itmad-Ud-Daulah

Unser Tuk-Tuk setzte uns direkt vor dem Haupteingang ab, von der Regierung beauftragte Führer wimmelten wir ab und an der Kasse links im Eingang vor dem Haupttor gab es unkompliziert Eintrittskarten. 110 Rs für Ausländer, für Inder 10 Rs. Es gab kein Gedränge, da nur wenige Touristen dieses wunderschöne Grabmal auf dem Zettel hatten.

Wir haben ja im Zusammenhang mit der Erbauung des Roten Forts in Agra bereits den Bauherrn Akbar kennen gelernt. Diesem Akbar wurde im August 1569 ein Sohn geboren. Und dieser Sohn, mit gebürtigem Namen Salim, herrschte zwischen 1605 und seinem Tode im Jahr 1627 über das Mogulreich. Click to enlarge
Grösse des Mogulreiches
beim Tode Akbars
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Gang vom Eingang
zum Haupttor
Während seiner Regierungszeit als Grossmogul gab er sich den Namen "Jahangir". Jahangir wurde im Mai 1611 mit einem Blattschuss von einem Liebespfeil Amors getroffen. Er heiratete daraufhin in 20ster und letzter Ehe seine Frau "Noor Jahan", Tochter des bettelarmen Muslim "Mirza Ghiyas Beg" aus Persien. Der Vater von Noor Jahan, Mirza Ghiyas Beg, machte am Hofe Akbars eine beachtliche Karriere und erhielt wegen seiner Verdienste als Schatzmeister und Grosswesir des Reiches den Ehrentitel Itimad-Ud-Daula ("Stütze des Staates"). So, und jetzt sind wir endlich beim Namen des Mausoleums angekommen Smiley.
Noor Jahan, inzwischen zur Hauptfrau Jahangirs avanciert, liess in den Jahren zwischen 1622 und 1628 das Itimad-Ud-Daula-Mausoleum zum Andenken an ihren Vater errichten.

Das Mausoleum Itmad-Ud-Daulah ist eigentlich von Konstruktion, Materialien und Design höher zu bewerten, als das "kurz" danach folgende Taj Mahal. Es markiert den Scheidepunkt der Verwendung weg vom roten Sandstein hin zum Marmor.
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Itimad-Ud-Daula
vom Haupttor aus
Als erster Mogul-Bau überhaupt ist diese Grabanlage vollkommen symmetrisch angelegt mit dem Mausoleum im geometrischen Schwerpunkt des Gartens. Alles, auch das Grabmal, hatte sich der Symmetrie unterzuordnen. Das Arreal ist an drei Seiten von hohen Mauern umgeben, lediglich zum Fluss hin öffnet sich der Park dem Betrachter. Hier liegt auch das Naggarkhana. Wasserkanäle durchziehen den Garten, sie teilen den Garten in vier symmetrisch gleiche Teile. Das Wasser hierfür wurde damals mit Schöpfwerken aus der Yamuna nach oben gebracht. Sie wurden mit der Kraft von Pferden, Eseln etc. angetrieben. Am rechten Rand des Gartens in Höhe der Grabstätte befindet sich die Moschee, am linken Rand wie gespiegelt, das Dharamshala.

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Weisser Marmor
in rotem Sandstein
Die Verwendung von weissem Marmor zur Verkleidung der Bausubstanz war für diese Zeit revolutionär. Die sehr feinen Intarsienarbeiten unter Verwendung von Halbedelsteinen stellen die Arbeiten des wenige Jahre später nachfolgenden Taj Mahal weit in den Schatten. Vom Standpunkt der Innovation und der Qualität der Arbeiten her gehört das Itmad-Ud-Daulah nach meiner eigenen bescheidenen Meinung eigentlich höher bewertet als das Taj Mahal. Die vier Minarette, die auf achteckigen Sockeln stehen, haben alle eine leichte Neigung nach aussen. Dies soll im Falle eines Erdbebens gewährleisten, dass die Türme im schlimmsten Fall nicht nach innen auf das Grabmal, sondern nach aussen fallen. Diese Idee wurde auch für das Taj Mahal übernommen.

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Scheinsärge der
Elten Noor Jahans
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Blick vom Haupttor aus
Die meisten Mausoleen Indiens werden von einer dominierenden Kuppel überragt. Nicht so das Itimad Ud-Daula. Dieses Grabmal wird von einem Pavillon mit quadratischen Grundriss überdacht. In diesem Pavillon befinden sich die beiden Kenotaphe der Eltern Noor Jahans, nämlich die von Itimad-Ud-Daulas und seiner Frau, ausgeführt in sehr seltenem gelbem Mamor.
Kenotaphe sind Scheingräber. Sie beherbergen nicht die Körper der Verstorbenen, sondern sind schlicht Platzhalter für die eigentlichen Särge. Die wahren Särge sind in ähnlicher Form und Ausführung in den Katakomben der Mausoleen untergebracht und für die Öffentlichkeit meist unzugänglich. Warum man das so gemacht hat, konnte ich bislang nicht in Erfahrung bringen.

Impressionen vom Mausoleum Itmad-Ud-Daulah

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Blick über den
Garten
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Itmad-Ud-Daulah
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Die Moschee
der Anlage
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Intarsien
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Intarsien
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Intarsien
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Minarett


Gegenüber der Moschee, am Rand des Gartens, liegt das Dharamshala. Es ist in seiner Architektur der Moschee und dem Haupttor sehr ähnlich. Das Dharamshala diente vornehmlich als eine Herberge für Besucher, die länger auf dem Gelände verweilten. Hier hielten sich vorwiegend die Frauen auf. Click to enlarge
Naggarkhana


Das Naggarkhana, wiederum ein ähnlicher Bau aus rotem Sandstein mit Mamor-Intarsien, liegt an der offenen Seite des Parks, direkt am Fluss Yamuna. Er diente wohl zur Unterhaltung der Besucher zur damaligen Zeit und wird auch heute noch als willkommener Schattenspender in heissen Zeiten genutzt.

Noor Jahan plante und baute übrigens um 1645 herum auch ihr eigenes Grabmal und das ihres Mannes Jahangir. Beide Mausoleen lagen in direkter Nachbarschaft und sollen sogar durch einen Tunnel miteinander verbunden gewesen sein. Dies nur der Vollständigkeit halber, denn diese beiden Grabstätten liegen in Shahdara Bagh bei Lahore (Pakistan).
Noor Jahan ist eines der wenigen Beispiele dafür, dass sich eine Frau unter günstigen Umständen durchaus in der von Männern dominierten islamischen Welt der damaligen Zeit durchsetzen konnte. Am Ende wurde sie jedoch vom richtigen Leben eingeholt und vom Mogul-Hof entfernt, weil sie nicht die Mutter eines möglichen Thronfolgers war. Sie starb im Dezember 1645 in Lahore in Pakistan und liegt neben ihrer Tochter Ladi bestattet im von ihr geplanten Mausoleum.


Das Taj Mahal, eine Träne auf der Wange der Zeit

Wir erinnern uns an die Shah-Reihenfolge:
Humayun: * 6. März 1508 in Kabul; + 26. Januar 1556
Akbar, ältester Sohn Humayuns: * 15. Oktober 1542, + 27. Oktober 1605 in Agra
Janangir, ältester Sohn des Akbar: * 31. August 1569; + 28. Oktober 1627

Shah Jahan, dritter Sohn Jahangirs und dessen Frau Noor Jahan: * 15. Januar 1592; + 22. Januar 1666
Er heiratete Mumtaz Jahan (* April 1593 in Agra; + 17. Juni 1631 in Burhanpur), eine Nichte seiner Mutter Noor Jahan. Mumtaz Jahan war die Lieblingsfrau Jahans. Sie verstarb bei der Geburt ihres 14. Kindes.

Aurangzeb, * 3. November 1618, + 21. Februar 1707 war das sechste Kind aus dieser Verbindung. Aurangzeb folgte Shah Jahan ja in der Regierungsnachfolge. Er sperrte seinen Vater Shah Jahan später für den Rest seines Lebens im Roten Fort in Agra ein.

Zum Gedenken an seine verstorbene Frau liess Shah Jahan bereits kurz nach ihrem Tod das Taj Mahal erbauen. Der Bau dieses Mausoleums nahm 17 Jahre in Anspruch. Es wurde 1648 mit der Hilfe von 20 000 Arbeitern fertiggestellt.

Zum Taj Mahal gibt es im Internet Informationen in Hülle und Fülle, sowohl in Textform als auch in Bildern. Deshalb erspare ich mir an dieser Stelle eine weitere Wiederholung.
Beispiel
Hier folgen daher nur einige Informationen, die ich am eigenen Leib erfahren habe und die nicht in den einschlägigen Berichten stehen.

Es geht bereits los mit dem Kauf der Eintrittskarten. Normalerweise erwartet man ja einen Ticketschalter direkt am Eingang der zu besuchenden Institution. Hier jedoch müssen die Eintrittskarten in der Altstadt Agra's beschafft werden. Unser Tuk-Tuk Fahrer hielt auf dem Weg zum Taj Mahal plötzlich an und versuchte zu erklären, was es mit der Beschaffung der Tickes auf sich hat. Da wir vom Wahrheitsgehalt indischer Aussagen den Touristen nicht gerade verwöhnt waren, glaubten wir natürlich nicht daran. Erst die Bestätigung entgegenkommender Touristen förderte unser Vertrauen in die Aussage des Tukkers. Also blieb ich beim TukTuk und mein Freund Claus tigerte mit unserem Fahrer los, um die Tickets zu besorgen.

Der Eingang zum Taj Mahal ist streng bewacht, man passiert beim Betreten des Areals mehrere Sicherheitsschleusen und wird ausserdem gründlich gefilzt. Flüssigkeiten jeglicher Art, ausgenommen klares Wasser, sind streng verboten. Feuerzeuge, Zigaretten usw. dürfen nicht mitgeführt werden. Ausserhalb des Eingangsbereiches hält man Boxen bereit, in denen man verbotene Utensilien gegen Entgeld deponieren kann. Natürlich sollte auch ich meine kostbaren Zigies dort abgeben, entschied mich aber dazu, noch einmal zu unserem wartenden TukTuk-Fahrer zurückzugehen, um die Sachen im Fahrzeug zu deponieren. Die Inder in den umliegenden Geschäftchen haben natürlich ein geschultes Auge für Freaks, die versuchen, ihre Habe noch unterzubringen und fielen in Schwärmen mit Angeboten für Deposit Boxen über mich her.

Wir kamen heute (12.01.2013) um die Mittgszeit am Taj Mahal an. Das Mausoleum stand im prallen, aber flachen Mittagslicht. Zum Fotografieren eher langweilig. Unser Ziel war, das Taj Mahal in der Abendsonne zu sehen, denn das Taj Mahal ändert seine Farbe permanent mit dem Stand der Sonne. Insofern war genügend Zeit, sich alles in Ruhe anzuschauen. Kurz gesagt, die Anlage ist einfach bombastisch. Natürlich sind ständig Tausende von Touristen in der Anlage und ständig hat man Aliens vor der Linse. Wir statteten auch dem Inneren der Grabstätte einen Besuch ab. Der Eintrittspreis hierfür ist im Ticketpreis enthalten. Abgesehen von der Tatsache, dass die Besichtigung des Inneren ein touristisches Muss ist, war dieser Rundgang eher enttäuschend. Man wird wie eine Herde Schafe durch die engen Gänge getrieben und das Fotografieren im Inneren ist verboten. Interessant zu wissen ist in diesem Zusammenhang vielleicht die Tatsache, dass die zur Schau gestellten "Särge" (Kenotaphe) nicht die verblichenen Überreste der Verblichenen enthalten. Diese befinden sich in ähnlichen Gräbern in der unter dem Besichtigungsraum liegenden Krypta. Die Krypta ist für Besucher nicht zugänglich.

Gegen 17:30 schickte sich die Sonne so langsam an, das Taj Mahal noch einmal ins rechte Licht zu setzen. Allerdings war das Farbenspiel nicht so spektakulär wie erwartet. Ich hatte ein wenig mehr Abendrot erwartet. Das lag vielleicht daran, dass es noch früh im Jahr war?

Jedenfalls war nun die Zeit gekommen, ein paar Abendfotos zu schiessen. Auf der Suche nach geeigneten Standorten für das perfekte Bild musste ich dann doch noch eine interessante und neue Erfahrung machen. Ich stand auf einer der Treppen, die das Taj Mahal in angemessener Entfernung umgeben. Da bemerkte ich einen Inder, der mir aufmunternd zuwinkte. Neugierig ging ich zu ihm, um zu sehen, was er wohl wolle. Wortlos lotste er mich an verschiedene Orte, von denen man einen wirklich sehr schönen Blick auf das Mausoleum hatte.
Ich schoss also meine Fotos und am Ende hielt der gute Mann die Hand auf. Klar, war ja nicht anders zu erwarten. Wie es nun mal meine Art ist, erklärte ich dem guten Mann in feinstem Englisch, dass er doch bitte im Vorwege klar machen solle, dass seine Hilfsbereitschaft nicht etwa der Freundlichkeit gegenüber unwissenden Touristen zu verdanken sei, sondern am Ende Kosten nach sich ziehen würde. Dieses Lamentieren hätte ich mir genausogut auch sparen können, denn der Gute sprach natürlich kein Wort Englisch. Egal, mir war einfach danach. Am Ende überliess ich ich ihm in tiefer Dankbarkeit aber 50 INR, denn die gezeigten Spots waren wirklich gut.
Um diese Erfahrung einer neuen Geschäftsidee reicher schaute ich mich noch einmal um und bemerkte plötzlich an allen Ecken und Kanten Männer, die Touristen hin und her manövrierten. Seltsam, vorher ist mir keiner dieser "Führer" aufgefallen. Wahrscheinlich wachsen sie, begünstigt vom warmen Abendlicht der Sonne, leise und schnell wie Pilze aus dem Boden Smiley.
Nachdem wir nun das Schauspiel des Sonnenunterganges hier erlebt hatten, fragten wir uns natürlich, wie es hier wohl bei Sonnenaufgang aussehen würde. Also standen wir am nächsten Morgen zur unchristlichen Zeit auf (6:00) und begaben uns erneut mit unserem treuen Tukker von Vortag zum Taj Mahal. Ich muss sagen, dass das Licht-Spektakel der aufgehenden Sonne für mich beeindruckender war, als der gestrige Sonnenuntergang. Es kommt allerdings auch nicht mehr so häufig vor, dass ich die aufgehende Sonne sehe. Das war in meinen jungen Jahren allerdings anders, denn sie hat mir zu der Zeit des öfteren den Heimweg nach durchfeierter Nacht erleuchtet Smiley.
Die Besorgung der Tickets zog sich wieder etwas hin, denn wir mussten aufgrund der frühen Stunde zu einem anderen Ticket-Verkäufer. Kurz vor 8:00 waren wir dann am Eingang. Hier lungerten überraschender Weise schon Hunderte von Touristen herum und begehrten Einlass. Das Tor wurde jedoch erst so gegen 8:30 geöffnet. Dieses Mal war ich natürlich bestens präpariert und war sauber wie der junge Morgen. Und während ich noch versuchte, eine schöne Frontansicht des Taj Mahal zu schiessen, gesellte sich wieder ein Inder zu mir. Er sagte in brauchbarem Englisch etwas von besseren Standorten und ich solle ihm folgen. Ich antwortete ihm, dass ich seine Fürsorge wirklich zu schätzen wisse, käme aber alleine zurecht und wie teuer seine Tipps denn wohl seien. Darauf antwortete er:" Oh Nein, ich arbeite hier. Ich will kein Geld, bestimmt nicht". Da war mein Jagdttrieb wieder geweckt und ich folgte ihm zur Moschee. Die Sonne ging nun hinter dem Taj Mahal auf und tauchte die Scenerie in ein sehr schönes Licht.
Man muss sich allerdings sehr beeilen, denn der ganze Spuk ist innerhalb von 30 Minuten vorbei und die Sonne steht fahl weiss am Horizont.
Nachdem ich meine Fotos im Kasten hatte, fragte ich mich, wie wohl unser indischer Begleiter den Dreh zur Frage nach Geld hinbekommen würde. Also bedanke ich mich förmlich bei ihm und machte Anstalten zu gehen. Jetzt liess unser Inder die Katze aus dem Sack und meinte, er bekäme noch 500 INR für seine Führung.
Natürlich schwoll mir ob dieser Unverschämtheit der Kamm. Ich erinnerte ihn daran, dass er ausdrücklich erwähnt habe, dass er hier arbeite und gaaanz bestimmt kein Geld wolle. Und dass er nun zur Strafe wegen seiner unverschämten Lügen bestimmt kein Geld von mir bekäme. Geschrei hin, Geschrei her, ich blieb hart. Die ständigen Lügen und Betrügereien hingen mir langsam wirklich zum Halse heraus. Mein Freund Claus, der natürlich mit von der Partie war, hat ein viel zu weiches Herz. Er gab ihm dann doch noch 50 INR. Der Inder bestand auf seinen 500 Rupien. Also nahm ich ihm die 50 Rupien wieder aus der Hand und Claus und ich machten einige Schritte in Richtung Ausgang. Da sprang unser Führer wieder herbei und plötzlich waren 50 Rupien ein wunderbarer Preis. für seine Mühen.


Fortsetzung folgt








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